von | 22.02.2019 | Leben | 0 Kommentare

Der freundliche Busfahrer

Es war noch früh, als ich an diesem Tag auf den Bus wartete. Ich war in Gedanken versunken, als er plötzlich direkt vor mir anhielt. Ich stieg ein und ging zum Busfahrer. „Ich möchte eine Tageskarte zum Flughafen, bitte“, „Es macht 9,80 Euro„, antwortete er.

Ich suchte nach dem passenden Geld.  Es fehlten 20 Cent. So legte ich einen 10 Euro Schein in die Metallschale. Als er mir das Wechselgeld zurückgab, schenkte er mir ein Lächeln. Wie schön! Sein freundlicher Gesichtsausdruck war mir bereits vorher aufgefallen. Nicht alle Menschen hätten so einen Ausdruck in frühen Morgenstunden.

Am Bahnhof stieg ich aus. Die Ampel war rot. Ich wartete geduldig an der Seite und konnte ihn, von dort aus, hinter der Glasscheibe sehen. Er beobachtete mich und wir tauschten einen Blick. Als ich die Straße überquerte, winkte er mir plötzlich. Diese Geste fand ich unglaublich. Es kam so natürlich rüber. So absichtslos. Einfach, um mir auf diese Art und Weise einen schönen Tag zu wünschen. Mein Tag verlief auch wunderbar, denn ich war ganz beseelt und erfüllt von dieser Begegnung.

Am nächsten Morgen stand ich um die gleiche Uhrzeit an der Haltestelle. Als der Bus um die Kurve fuhr, sah ich den Busfahrer hinter dem Lenkrad sitzen. Er hatte mich von Weitem auch erkannt und freute sich sichtlich.  Ich stieg ein. Er sagte: „Schön, Sie zu sehen. Möchten Sie heute wieder zum Flughafen?“. Ich antwortete „Ja, bitte“. „Haben Sie heute die 20 Cent?“. „Ja, heute klappt es“. Wir lachten. Er erzählte, dass er diese Schicht während der Ferienzeit übernommen hätte. Als ich ausstieg, winkten wir diesmal beide gleichzeitig.

Die folgenden drei Tage arbeitete ich von zu Hause aus. Am vierten Tag traf ich wieder den selben Busfahrer. Diesmal sagte er „Ich habe Sie richtig vermisst“. Ich sagte „Ich Sie auch“.

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Bonjour! Ich heiße Françoise und bin in Frankreich geboren. Die Liebe und das Leben haben mich nach Deutschland gebracht.
L’art de vivre und l’art d’aimer – die Kunst des Lebens und des Liebens. Diese Art zu fühlen und zu denken bereichert mein Leben und darüber schreibe ich auf meinem Blog.

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