Eine Frau geht ihren Weg…nur wohin?

„Eine Frau geht ihren Weg.“ Diesen Satz habe ich irgendwann aus einer Zeitschrift ausgeschnitten und auf mein Vision Board geklebt. Vielleicht hast du selbst solche Collagen gestaltet. Mein Board steht im Schlafzimmer, und seitdem fällt mein Blick jeden Morgen darauf. Als Erinnerung. Und als Ansporn, diesen Satz nicht nur zu lesen, sondern zu leben. Einfacher gesagt als getan...
Sprüche und Zitate kennen wir alle. Wir nicken, fühlen uns kurz bestärkt, sagen: „Ja, genauso.“ Und später merken wir: Moment mal … welcher ist denn eigentlich mein Weg?
Ich hatte solche Weggabelungen immer wieder in meinem Leben. Besonders deutlich wurden sie nach großen Umbrüchen. Oft sind es genau diese Momente, die uns zwingen, uns mit uns selbst und der Frage auseinanderzusetzen.
Für mich waren es mehrere entscheidende Wendepunkte: Als ich 1987 nach dem Studium nach Deutschland kam. Als ich mich 1999 selbständig machte. Und ganz besonders nach meiner Trennung 2015.
Jedes Mal stand ich wieder vor dieser Frage: Welcher Weg ist jetzt meiner? Und jedes Mal begann eine neue Etappe.
Wir stehen plötzlich da. Weil etwas weggebrochen ist. Weil Freiraum entstanden ist. Weil ein Job verloren ging oder eine langjährige Beziehung endete. Weil das Leben uns an einen Punkt stellt, an dem wir nicht mehr einfach weitermachen können.
Viele äußere Strukturen, die uns vermeintliche Sicherheit gegeben haben, fallen weg. Und wir stellen fest: Vielleicht war das gar nicht mein Weg. Vielleicht bin ich ihn aus Pflichtgefühl gegangen. Oder er war richtig für eine Zeit, aber erfüllt mich nicht mehr.
Das kann beängstigend sein. Ich kann ein Lied davon singen. Sich selbst an die erste Stelle zu setzen, wirklich am Steuer des eigenen Lebenswagens zu sitzen. Das fühlt sich manchmal an, als würde man ohne Führerschein losfahren. Ohne Basics. Ohne zu wissen, wohin die Reise geht.
Dann kommt erstmal der Blick zurück: Welchen Weg bin ich bisher gegangen? Wo habe ich Macht und Verantwortung abgegeben, einfach aus Gewohnheit? Und was bedeutet es jetzt, diese Verantwortung wieder zu übernehmen? Ganz konkret. Im Alltag. Im echten Leben.
Für manche ist sofort klar, wohin es gehen soll. Für viele, so war es bei mir, fühlt es sich erst einmal an wie dichter Nebel. Man möchte losfahren, sieht aber kaum einen Meter weit. Die Brille müsste dringend angepasst werden. Die Klarheit fehlt noch.
Und ja, die großen Parolen sind schön. Ganze Bücher sind voll davon. Aber was heißt das wirklich? Für mich? Für mein Leben? Für meine nächsten Schritte?
Unsere Mütter und Großmütter hatten oft gar keine Wahl. Der Weg war vorgegeben. Man folgte dem Mann. Man stellte nichts infrage. Und wenn doch, wurde es oft im Keim erstickt, um die Ordnung nicht zu gefährden.
Wir dagegen haben andere Möglichkeiten. Wir stellen Fragen. Wir diskutieren. Wir wehren uns. Wir wollen unseren eigenen Kopf durchsetzen. Aber das heißt auch: Wir müssen unseren eigenen Führerschein machen. Für unser Leben. Für unseren Weg. Für unseren Wagen.
Das braucht neue Systeme, neue Spielregeln, neue innere Orientierung. Es reicht nicht, nur einen Impuls zu geben. Wir müssen herausfinden, wohin die erste Etappe führt. Was uns ruft. Was uns Freude macht. Und diesen Zwischenraum auszuhalten, in dem noch nichts klar ist, ist schwer.
Was mir geholfen hat: zu wissen, dass ich die Reise nicht allein antreten muss. Gemeinsam ist es leichter. Im Beruflichen habe ich mir immer wieder Menschen gesucht, die Expertise hatten, die ich brauchte. Die schon da waren, wo ich hinwollte. Die mich inspiriert haben. Im Privaten Weggefährten, die die Reise schöner, leichter, lustvoller machen. Ich sehe gerade diese Roadmovie‑Bilder vor mir: Freundinnen, die zusammen losfahren und die Welt entdecken.
Und sehr wertvoll war für mich immer die Begleitung von außen, neutral, nicht emotional verstrickt. Coaches, Mentoren, Menschen, die mir halfen, den Nebel zu lichten. Die mit mir schauten: Wohin zieht es dich? Was will entstehen? Was ist deine nächste Etappe?
„Être bien accompagné“ – in guter Gesellschaft und Begleitung sein – ist so wichtig, wenn wir unseren eigenen Weg gehen.
Als Mentorin mache ich genau das. Es ist meine Motivation, Frauen auf ihrem Weg zu begleiten. Zu mehr Freude, zu sich selbst und zu einem Leben, das wirklich zu ihnen passt. Und ich tue es von Herzen gern.





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