Lebendig ist das neue Jung

Wann hast du dich das letzte Mal richtig lebendig gefühlt? Diese Frage stelle ich immer wieder gerne – meinen Klientinnen und auch mir selbst.
Aber damals, an meinem eigenen Wendepunkt, so zwischen 40 und 50, habe ich sie mir gar nicht so bewusst gestellt. Oder ausgesprochen. Es war eher ein schleichendes Gefühl, das ich lange überhört habe. Ich merkte nur, dass ich immer angespannter wurde. Dass ich mich nicht mehr wirklich spürte. Ich funktionierte und hielt alles irgendwie am Laufen. Das Private und Berufliche. Aber ich war immer wieder erschöpft.
Und gleichzeitig merkte ich, wie mein Körper immer deutlicher sagte: Stopp. Hör hin.
Und dann hatte er tatsächlich schneller eine Antwort, als meinen Kopf. Nachdem ich einen Zumba-Kurs gestartet hatte und Salsa entdeckte. Die Choreos hielten meine grauen Zellen – und auch meine Beine – am Anfang ordentlich auf Trab. Aber plötzlich war da wieder etwas, das ich lange vermisst hatte. Diese Lebendigkeit, diese Freude, dieses vibrierende Gefühl von „Ich bin da“. Ich konnte es direkt in meinem Körper spüren. Und in diesem Moment wusste ich: Das ist es. Das möchte ich wieder in meinem Leben haben. Es war ein Ganzkörper-JA!
Diese Erfahrung hat mir gezeigt, wie leicht wir unsere Lebendigkeit verlieren können, im Laufe der Jahre, im Alltag zwischen Routinen, Verpflichtungen und Erwartungen. Und wie überraschend sie zurückkehren kann. Wir haben nur vergessen, was uns wirklich lebendig und vital fühlen lässt.
Was wir wirklich erhalten wollen, wenn wir „jung“ sagen
Wir wissen alle, dass wir älter werden… Auch wenn uns Einige immer noch einreden wollen, dass Jugendlichkeit und Jung sein etwas ist, das man konservieren kann, wenn man nur genug tut und trainiert, genug cremt, genug kaschiert. Ehrlich gesagt, trauern wir manchmal die glatte Haut oder den perfekten Körper, wenn wir uns alte Bilder anschauen. Aber wenn wir ehrlich hinschauen, geht es mehr um dieses Gefühl. Dieses vibrierende, neugierige, manchmal wilde Gefühl von: Ich bin da. Ich lebe. Ich spüre mich.
Das ist es, wonach wir uns eher sehnen und zurückwünschen. Weniger die Hülle. Sondern etwas viel Tieferes: die Lebendigkeit darin, die Vitalität und Präsenz.
Was Lebendigkeit wirklich nährt
Lebendigkeit entsteht nicht durch Anti-Aging-Produkte. Nicht durch Perfektion. Nicht durch Kontrolle. Sie entsteht, wenn wir mitten im Leben stehen. Wenn wir etwas Neues beginnen. Wenn wir uns für etwas begeistern. Uns Gutes tun. Wenn wir uns bewegen, körperlich und innerlich. Wenn wir uns erlauben, zu fühlen. Wenn wir uns erlauben, echt zu sein. Wenn wir uns wieder spüren.
Wir leben immer länger. Aber was nützt ein langes Leben, wenn wir es nur durchschleppen. Auf Autopilot sind. Wenn wir planen, aber nicht leben. Wenn wir alles im Griff haben, aber uns selbst nicht mehr fühlen. Die Frage ist nicht, wie alt wir werden. Die Frage ist, wie lebendig wir in diesen Jahren sind.
Mein Traum – und vielleicht auch deiner – ist klar: so lange wie möglich geistig und körperlich wach und vital bleiben. Neugierig bleiben. Verbunden bleiben. Lebendig bleiben. Aktiv sein. Nicht perfekt. Nicht makellos. Lebendig. Das ist jung im besten Sinne.
Ein Kompass für die zweite Lebenshälfte
Für mich ist Lebendigkeit immer wieder ein innerer Kompass. Weil sie sofort zeigt, wo ich stehe. Ein Barometer dafür, ob ich noch bei mir bin. Und die Antwort auf die Frage zeigt mir, was ich brauche. Was mich nährt. Was mich ruft. Was mich wieder in Kontakt bringt mit mir selbst.
Lebendigkeit ist das neue Jung. Nicht, weil wir jünger wirken wollen. Sondern weil wir intensiver leben wollen.
Wir können die Zeit nicht anhalten. Aber wir können entscheiden, wie wir sie füllen. Mit Lebendigkeit. Mit Vitalität. Mit Freude. Mit Präsenz. Mit uns selbst. Und das ist aus meiner Sicht viel erstrebenswerter, weil es ganz einfach mehr Lebensqualität bedeutet. Ganz nach dem Motto „It’s not the years that count, it’s the years in your life“.
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Toller Spruch am Ende. Den werde ich mir behalten und versuchen, es in meiner Erinnerung zu behalten. Danke für deine Leichtigkeit; die du mit uns teilst. Wenn wir älter werden, ist unsere Vergangenheit doch öfters die Präsenz.
Liebe Tanja,
Danke für dein Kommentar. Ich freue mich, wenn ich dich inspirieren konnte. Leichtigkeit entsteht bei mir, wenn ich immer wieder „Dinge“ aus meinem Rucksack entlade…auch die von anderen 🙂
Ich glaube, es ist auch für uns ganz normal, beim Älter werden auch an Vergangenes zu denken. Und auch da zu schauen, was war schön und möchte mitnehmen oder wieder erleben. Und was lasse ich dort, weil es mir nicht mehr dient. Oder nicht mehr passt.